Heeresreform und Geniedienst der ersten Ingenieure in Bern

Der zweite fest angestellte Ingenieur im eidgenössischen Stand Bern war Johannes Willading (1630-98). Er entstammte einer bernischen Patrizierfamilie. Bereits sein Vater Hans Rudolf hatte verschiedene Ämter, vertrat Bern häufig an der Tagsatzung und war im Bauernkrieg von 1653 Generaloberst der eidg. Regierungen. Sein älterer Bruder Niklaus war Kommandant der Artillerie, erweiterte 1642-46 das Schloss Aarburg und entwarf 1650 die östliche Bastion der Lenzburg. Ab 1648 war er Landvogt von Aarwangen, wo er 1657 vom Blitz erschlagen wurde. Bern hatte diese Herrschaft Aarwangen 1432 von der adligen Besitzerfamilie gekauft und in der Folge wie andere Orte zu einer einträglichen Landvogtei ausgebaut.

Johannes hatte eine militärische Karriere im In- und Ausland begonnen und im Alter von 23 Jahren die Tochter Maria des Schultheissen Albrecht Manuel geheiratet. Mit 27 Jahren wurde er bernischer Feldzeugmeister und Grossrat. Von diesen Funktionen wurde er allerdings 1663 wegen Ehebruchs entsetzt. Zwei Jahre später stand er in venezianischen Diensten. Als der Rat von Bern 1668 beschloss, einen Ingenieur dauernd anzustellen, wurde er gewählt und gleichzeitig mit der Oberaufsicht über die Artillerie beauftragt. Bei dieser Wahl erinnerte man sich in Bern, dass er beim ersten Villmergerkrieg 1656 als Ingenieur eingesetzt war und bei jenem Feldzug als Hauptmann der Artillerie teilgenommen hatte. Sein neues Amt hatte er zu Beginn provisorisch angetreten und dann ab 1670 bis zu seinem Tode ausgeübt. Sein Nachfolger war Jakob von Diesbach.

Johannes Willading (Portrait aus Herzog I, 1995, S. 72, LM 4781)

Aufgabe des Ingenieurs war die Aufsicht über das Kriegsbauwesen. Gemeint ist damit die Bautechnik zu militärischen Zwecken, auch mit «Genie» bezeichnet. In erster Linie ging es um die Befestigungen «zu Stadt und zu Land». Unterstellt war er direkt dem Kriegsrat als der obersten Militärbehörde. Für die Befestigung der Hauptstadt sollte er Vorschläge machen und die befohlenen Massnahmen leiten. Vorgeschrieben war ihm eine monatliche Kontrolle der Werke und die Anzeige vorgefundener Mängel. Auf Befehl hatte er auch auszureiten und dies in den Landstädten zu tun. Bekanntlich hatte die Stadt Bern die letzte grosse Etappe ihrer Befestigung schon 1634 vollendet. Ein weiterer Ausbau war seither nicht beschlossen worden. Im Vordergrund standen nun Kontrolle und Instandstellung als Daueraufgabe. So waren sogar bereits 1642 einige Mauern eingestürzt und mussten wieder erstellt werden. Hingegen waren für die Befestigung der Landstädte vom Ingenieur neue Vorschläge erwartet worden. Schon 1667 hatte Willading den Auftrag zur Verbesserung von Yverdon erhalten, seine Vorschläge folgten 1671 und 1686/88, ebenso jene für Nidau von 1685/88.

Als Folge des Ersten Villmergerkriegs hatte Bern das Schloss Aarburg in den Jahren 1657-73 gemäss Gutachten von Johann Georg Werdmüller (1616-87) zu einer Festung ausbauen lassen. Der Vertrag wurde 1659 mit Werkmeister Simon Erismann aus Staffelbach abgeschlossen. Willading hatte dazu schon 1654 einen Plan gemacht. 1676 verfasste er ein Gutachten mit 21 Postulaten, worauf noch weitere Arbeiten ausgeführt wurden. Mit diesem Bau verfügte Bern über die einzige moderne Festung der damaligen Schweiz.

Festung Aarburg, Südfassade heute (aus Wikipedia)

Als Ingenieur erstellte Willading auch Karten, so in Aigle (1667), im unteren Aargau an der Grenze zu Vorderösterreich (1673) und von der Brücke bei Laupen (1676). Ferner hatte er im Jahr 1676 vom Kriegsrat den Auftrag erhalten, verschiedene Grenzübergänge aufzunehmen. Bei dieser Gelegenheit sollte er die Karte von Thomas Schöpf überprüfen und allfällige Mängel vermerken. Dieses Werk stammte aus dem 16. Jahrhundert und galt noch immer als die offizielle Karte. Den Auftrag für eine neue Karte des ganzen Staatsgebiets erteilte der Kriegsrat dann an Samuel Bodmer (1652-1724), allerdings erst 30 Jahre später.

Für das Erstellen von genauen Plänen hatte sich Willading bereits mit einer Karte des Gefechts bei Herzogenbuchsee von 1653 qualifiziert. In seiner Aufzeichnung von 1654 dokumentierte er die Kampfhandlungen, bei denen auch sein Bruder Niklaus beteiligt war. Dieses Gefecht war die letzte Niederlage der Bauern in der Eidgenossenschaft im Aufstand gegen die städtischen Obrigkeiten. Die Karte selbst ist vermutlich ein privates Erinnerungsstück, denn sie entstand ohne obrigkeitlichen Auftrag und zeigt ein unübliches Wappen der Willading, das auf den Vater Hans Rudolf und die beiden Söhne Niklaus und Johannes hinweisen könnte. Dank ihrer Präzision dient sie noch heute als Quelle für die lokale Baugeschichte (Kdm BE Land V, 2018, S. 28 und 395).

Zur Oberaufsicht über die Artillerie ist bekannt, dass Johannes Willading einen umfassenden Einfluss nahm, nämlich auf die Organisation der Artilleristen vor Ort, auf die Einführung neuer Geschütze und Verbesserung der Fuhrwerke für deren Transport sowie auf die Ausbildung junger Bürger im Artillerie-Schiessen, sowohl in der Theorie wie im Exerzieren auf dem freien Feld. Dieses Wirken sollte später als die ältere Berner Schule der Artillerie bezeichnet werden. Die neuere wurde 1783 durch Andreas Lanz (um 1740-1803) angeregt.

Während an Artilleristen kein Mangel bestand, war Willading damals Berns einziger Ingenieur. 1674 befand deshalb der Kriegsrat, jemanden in der Ingenieurskunst unterrichten zu lassen, damit er die Doppelaufgabe in Ingenieurskunst und Artillerie übernehmen könnte. 1678 äufnete er einen Fonds. Drei Jahre später erhielt Friedrich Kuhn daraus ein erstes Stipendium. Bekannt ist ferner, dass sich Pierre Willommet (d.Ä) in Bern 1689 als Ingenieur meldete und nach einer Prüfung durch Willading als «brauchbar» befunden wurde.

Die aufgelisteten Aufgaben im Bereich der Befestigungen, der Karten und der Artillerie sind vielfältig. Sie erscheinen hier als Stückwerk. Ihr Zusammenhang ergibt sich aus einem Rückblick in die Militärgeschichte.

Zur Heeresreform auf ausländische Experten angewiesen

Seit 1353 ist Bern ein Ort der schweizerischen Eidgenossenschaft mit der gleichnamigen Hauptstadt. Durch seine Expansionspolitik machte er sich bis Mitte des 16. Jahrhunderts zum grössten Stadtstaat nördlich der Alpen. Nach der Eroberung der Waadt (1536) reichte er vom Genfersee im Westen bis zum Zusammenfluss von Reuss und Aare im Osten. Die Herrschaft über dieses Gebiet hatte sich zu einem absolutistisch regierenden Patriziat entwickelt. Es widerstand den Aufständen der Bauern (1653) und der Stadtbürger (1749), wurde aber bei der französischen Revolution gestürzt (1798). An dessen Spitze stand der Schultheiss, der gleichzeitig den Oberbefehl über die Truppen hatte. Ihm zur Seite gestellt war anfänglich eine Militärkommission. Ihre Beschlüsse wurden von vier Vennern, vom Zeugherrn und vom Bauherrn ausgeführt. Zuständig auf dem Land waren die Amtsträger. Die Streitkräfte waren Fusstruppen, welche mit der eidgenössischen Taktik des Gewalthaufens zu Ruhm und hohem Ansehen gelangten. Doch die Erfindung des Schwarzpulvers um 1345 hatte Feuerwaffen zur Folge. Die Fusstruppen benützten zunehmend Handfeuerwaffen. Die Geschütze wurden für Belagerungen der Städte und deren Verteidigung eingesetzt. Im Feld waren Kanonen noch zu schwerfällig. Trotzdem hatten sie die Eidgenossen 1515 bei der Niederlage gegen Frankreich bei Marignano bereits zu spüren bekommen.

Die Entwicklung der Handfeuerwaffen in Kombination mit den blanken Waffen der Fusstruppen verursachte eine Veränderung der Heere. Dieser Durchbruch geschah im Ausland, als die Grafen von Nassau-Dillenburg ihre Kräfte in kleinere Einheiten aufteilten, den Waffendrill einführten und zur straffen Führung die Zahl der Offiziere vervielfachten. Bekanntester Vertreter dieses Geschlechts ist Prinz Moritz von Oranien (1567-1625). Seine Erfolge in den Niederlanden gegen die Vorherrschaft der Spanier verschafften ihm ein Ansehen bei allen kriegsführenden Mächten. Seine Neuerungen hatten einen geistig-philosophischen Hintergrund und prägten die moderne, wissenschaftlich begründete Kriegskunst. Das Ergebnis wurde deshalb nach seinem Urheber «Oranische Heeresreform» genannt. Es betraf hauptsächlich die Söldnertruppen und wurde auch in gedruckter Form veröffentlicht.

Söldner und Feuerwaffen erforderten finanzielle Mittel, welche Bern im 16. Jahrhundert nicht genügend zur Verfügung hatte. Angesichts der Bedrohungen waren aber Reformen des Kriegswesens angezeigt. Der Stadtstaat hatte bisher die Truppen immer für den Einzelfall aufgeboten und mühsam organisiert. Gemäss einer Zählung von 1559 konnte er aus eigenen Reihen ein Heer von etwa 33’000 Mann aufstellen (20’900 aus dem alten Kantonsteil und 12’000 aus der Waadt). Zur Vereinfachung des Truppenaufgebots hielten die Behörden ab 1560 einen ständigen Auszug von nominell 10’000 Mann bereit. 1584 beschlossen sie, einen Drittel davon mit Handrohren und Musketen auszurüsten. Folglich führten sie Neuerungen beim Schiesswesen ein, begannen mit regelmässigen Musterungen und mit Waffendrill bei der Mannschaft, beschafften neue Geschütze und planten neuartige Befestigungen.

Zur Planung und Durchführung dieser Reformen war Bern auf ausländische Experten angewiesen. Man kann dies dadurch erklären, dass die Hauptstadt ihre Befestigung seit 1487 nicht weiter ausgebaut hatte. Zudem hatte sich Bern nach der Reformation von 1528 aus konfessionellen Gründen von Fremden Diensten ferngehalten. Bern war sich aber einer zeitgemässen Befestigung zu Stadt und zu Land bewusst.

Seit seiner Gründung verstand sich Bern als befestigter Platz und übertrug dieses militärische Denken auch auf die zugekauften oder eroberten Landstädte und Burgen. Nach der Eroberung des Aargaus (1415) und vor allem der Waadt waren solche «festen Plätze» zahlreich vorhanden. Bern benutzte sie als Stützpunkte zur Sicherung seines Territoriums. Es forderte von ihnen den Ausbau durch Befestigungen und die Bewaffnung mit Mannschaft und Geschützen. So besuchte 1560 eine Regierungsdelegation in der Waadt die Städte Yverdon und Morges, die mit «bastionierten Wällen» umgeben werden sollten. Sie hatte die beiden Meister Ruprecht Ziegler und Peter Schädeli beigezogen. Von ihren Plänen wurde allerdings nichts ausgeführt. Beides waren Ausländer. Schädeli kam aus Strassburg und war zugleich Büchsenmeister. «Meister» war damals noch der Titel, den man auch den Ingenieuren gab, und Büchsenmacherei gehörte oft zum Fach der Festungsbaukunst.

Meister Valentin als erster in Bern zum Ingenieur bestallt

Mit einem ähnlichen Anliegen zur Befestigung «von Pässen und Orten in den welschen Landen» gelangte der Berner Rat 1609 an Basel mit der Bitte, dem Meister Valentin Friderich zu erlauben, in den Dienst Berns zu treten. Er habe erfahren, dass in Basel ein Meister und «Ingenieulx» wirke, der in «Bau und Befestigungswerken wohl erfahren» sei. Die Basler willigten ein, Friderich wurde 1610 in Bern «bestallt». Er war Schreiner, stammte aus Dettelbach in Franken und war 1600 in Basel als Bürger aufgenommen worden. Dort hatte er auch mehrere Modelle zu Befestigungen erstellt. In Bern wirkte er als Fachmann in allen militärischen Fragen, so bei Schiessübungen, Beschaffung von Geschützen, Schanzenbau, Erkundungen und Planaufnahmen der festen Plätze oder Organisation des Wachtdiensts. 1625 erhielt er vom Kriegsrat das Zeugnis eines «trüwlich» Ingenieurs und gehörte ab 1635 dem Grossen Rat an. Während seiner 30 Dienstjahre war er einzig für kurze Zeit beurlaubt zwecks Kriegserfahrung bei Graf Ernst von Mansfeld (1618-20). Zuvor hatte er in Anlehnung an die oranische Heeresreform für die Berner das Exerzier-Reglement „Kurtzer Begriff und Anleitung des Kriegs Exercitii“ (1615) sowie das Kriegsbüchlein «Kriegskunst zu Fuss» (1619) verfasst.

Berner Exerzier-Reglement von Valentin Friderich (1615), siehe e-rara

Die konfessionelle Spaltung der Eidgenossenschaft zeigte sich nicht nur aussenpolitisch in getrennten Bündnissen, sondern reichte bis zu Vorbereitungen eines Glaubenskriegs im Landesinnern. So planten die reformierten Orte Bern und Zürich eine Vereinigung ihrer Heere unter dem Namen «Konjunktion». Damit wollten sie bei Ausbruch von Feindseligkeiten für einen Angriff auf die katholischen, inneren Orte wie Luzern und Zug bereit sein. Für diesen Plan erteilte der Berner Kriegsrat 1616 seinem Ingenieur Valentin Friderich den Auftrag, das Vorgehen im Gelände zu rekognoszieren und sein Ergebnis den Zürcher Vertretern vorzulegen. Über seine Reise, zum Teil vom Zürcher Ratsherrn Hans Heinrich Thumeisen begleitet, erstellte Friderich einen detaillierten Bericht mit Verzeichnis der Grenzen, Orte, Mannschaften, Hindernisse und Flussübergänge mit Schiffsbrücken. Gestützt darauf disponierte Bern entsprechende Massnahmen, hielt sie aber im Kriegsrat geheim. Zürich erkannte die Bedeutung der genauen Kenntnisse des Geländes. Dessen Kriegsrat setzte 1619 einen Stab von Ingenieuren ein und beauftragte gleichzeitig seinen Artillerie-Obersten Adrian Ziegler mit einer Heeresreform. In diesem Stab verfasst Johannes Haller das nach ihm benannte Defensional (1620) und Hans Konrad Gyger begann das bekannte Kartenwerk.

Wenn Bern bisher militärisch vorwiegend gegen das Welschland im Westen operiert hatte, sah es sich bei Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges von Norden und Osten bedroht. Es liess deshalb den Zustand der Befestigung seiner Hauptstadt untersuchen. Ein Ausbessern der Mängel genügte nicht mehr. Werkmeister Daniel Heintz (d.J.) (1574-1633) und Valentin Friderich legten Pläne für einen zeitgemässen Neubau vor. Aus Genf wurde 1621 der Hugenottenführer Théodore Agrippa d’Aubigné (1550-1630) beigezogen. Sein Projekt wurde 1622 genehmigt. Als Bauleiter wurden Heintz und Friderich eingesetzt. D’Aubigné sollte die Oberleitung behalten, lehnte aber ab, schlug als Ersatz drei Personen vor und kehrte zurück nach Genf. Gewählt wurde der Franzose Louis de Champagne, Graf de la Suze (um 1572-1637). Gleichzeitig vertrat dieser nun den Schultheissen beim Oberbefehl über das Heer und wurde zum Generaloberstleutnant ernannt.

Louis de Champagne, Graf de la Suze (Portrait aus Grosjean 1953)

Graf de la Suze erhielt in der Stadt eine Wohnung und musste aus seinem Lohn noch sieben Fachleute bezahlen. Zweimal bereiste er den Aargau, um zahlreiche Städte und Stellen auf ihre Befestigung hin zu beurteilen. Begleitet wurde er von Valentin Friderich, dann von Ingenieur François Treytorrens (1590-1660). Von seinen Berichten wurden nur wenige Vorschläge ausgeführt. Aber er kümmerte sich um das Kriegswesen allgemein und weckte vor allem die Verteidigungsbereitschaft. So drängte er auf die Durchführung des Exerzier-Reglements, verbesserte die Alarmorganisation und gab Anstoss zu einem «Defensionale» der vier evangelischen Orte. Mit der «Konjunktion» von 1616 war dies gedanklich schon vorbereitet. 1626 wurde er ins Burgerrecht aufgenommen, ging jedoch kurz darauf wieder in französische Dienste und Bern bedurfte seiner Person trotz späterem Anerbieten nicht mehr.

Bern nützte die Lage der Hauptstadt in einer Schlaufe der Aare und beschränkte sich darauf, wie seit der Gründung nur den landseitigen Zugang abzuschliessen. Sowohl Friderich wie Treytorrens hatten aber nach Baubeginn in Konkurrenz vorgeschlagen, die Stadt mittels Neubaus von Schanzen auch auf dem gesamten rechten Ufer der Aare zu verteidigen. Doch 1624 verzichtete der Kriegsrat ausdrücklich auf ein solch gigantisches Vorhaben. Treytorrens verliess Bern und trat später in dänische und schwedische Dienste. Der Neubau dauerte wie erwähnt bis 1634. Friderich führte ihn allein zu Ende, wobei Daniel Heintz (d.J.) die Torbauten leitete. Zur damaligen Zahl der Einwohner Berns sei bemerkt, dass die Stadt im Jahre 1628 von einer Seuche heimgesucht wurde, woran 2756 von den schätzungsweise 6’000 bis 7’000 Personen starben.

Friderich machte Projekte aufgrund von genau vermessenen Plänen. Lehrling und Gehilfe war ihm Joseph Plepp (1595-1642). Überliefert sind jene von Lenzburg und Aarburg (1624) sowie von Yverdon (vor 1630). Dessen Zeichnungen waren entscheidende Grundlagen für Planveduten, den Kartenentwurf und das Kartengemälde von Bern (1623). Plepp war der Neffe von Daniel Heintz (d.J.) und wurde 1634 Werkmeister über das bernische Kirchen- und Steinwerk. Sein Hauptwerk ist der Neubau des Käfigturms (1638-43). Friderich war der erste fest angestellte Ingenieur in Bern. Er starb 1640/1641.

Nach dem Weggang des Grafen de la Suze wechselte in Bern die militärische Autorität. 1627 war der junge Johann Ludwig von Erlach (1595-1650) aus schwedischem Dienst und mit Kriegserfahrung zurückgekehrt. Er trieb die Heeresreform voran, hatte den Auftrag des Grenzschutzes und nahm den Gedanken eines «Defensionale» wieder auf. Nun war er es, der Friderichs Festungsvorhaben beurteilte. Ende 1636 holte er Oberstleutnant Wolf Friedrich Löscher (1590-1650), den ehemaligen Kommandanten der Festung Hohentwiel (1627-34) mit ähnlichen Aufgaben nach Bern. So hatte Löscher die Pläne von Plepp für den Käfigturm zu begutachten. Von Erlach selbst verliess Bern 1638 und trat im Elsass als Stabschef in den Dienst des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar, wo er nach dessen Tod 1639 das Kommando übernahm.

Stadtbefestigung von Rheinfelden, verstärkt unter Leitung von Johann Ludwig von Erlach nach Plänen von Wolf Friedrich Löscher, Aquarell um 1650 (Plan de Rhinfeld aus Kdm AG XI, 2011, Abb. 61, S. 75)

1637 empfahl sich in Bern der Franzose Jean-Jaques Desseres du Pradel (17. Jh.) mit einem eigenen System zu Befestigungen bzw. Belagerungen und machte den Vorschlag, eine Kriegsschule zu gründen. Er wie auch Löscher hatten sich später bei der Tagsatzung der vier evangelischen Orte um eine Stelle als Ingenieur beworben. Damit sei die Frage nach den ersten Ingenieuren der Eidgenossenschaft gestellt, aber auch nach ihrem Beitrag zum «Defensionale» von Wil (1647).

Eine Anmerkung zum Schluss: Geniedienst als militärische Bautechnik hat zwei Seiten. Einerseits soll er die Beweglichkeit der eigenen Truppen ermöglichen (mobility). Andrerseits soll er das Eindringen der Gegner verhindern (countermobility). Oben erwähnte erste Ingenieure hatten vorwiegend defensive Aufgaben. Im Heer der Berner von 1533 war aber regelmässig ein Auszug von «Schaufelbauern» festgeschrieben. Sie mussten der Truppe vorausgehen, um Hindernisse wegzuräumen und die Wege zu öffnen. Ihr Hauptmann hiess «Schuflislüüten-Führer». Ab 1589 sah man keinen Bedarf mehr an einem eigenen Banner mit «Schanzgräbern», hielt aber weiterhin einen Hauptmann im Stab und dezentral einen Vorrat an nötigen Schanzzeugen bereit.

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